Neue Anti-Antifa-Bestre­bun­gen in Bre­men

28. Januar 2016, Bre­men. Vor dem Bre­mer Land­ge­richt beginnt der „Valen­tin-Pro­zess“, bei dem haupt­säch­lich einem jun­gen Bre­mer vor­ge­wor­fen wird, im Ver­lauf der von Nazi-Hoo­li­gans pro­vo­zier­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen beim Nord­derby 2015 einen der Angrei­fer ver­prü­gelt zu haben.


→ Update 28.06.2016: Der Pro­zess ist been­det, die bei­den ver­blie­be­nen Ange­klag­ten wur­den zu jah­re­lan­gen Bewäh­rungs­stra­fen ver­ur­teilt. Mehr Infos: valentin.blogsport.de

Zum Hin­ter­grund:
Mit kur­zer Unter­bre­chung saß der Haupt­an­ge­klagte seit Anfang Juli 2015 in Unter­su­chungs­haft, auch gegen etli­che andere Wer­der-Ultras wur­den Straf­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet, inkl. meh­re­rer Haus­durch­su­chun­gen. Mitt­ler­weile konnte durch das Video eines Anwoh­ners belegt wer­den, dass das spä­tere „Opfer“ einem vor­bei­lau­fen­den jun­gen Mann kurze Zeit zuvor von hin­ten eine leere Bier­kiste über den Kopf geschla­gen hatte, wor­auf­hin die­ser ver­letzt zu Boden ging. Das auf­grund des­sen ein­ge­lei­tete Straf­ver­fah­ren ist das bis­lang ein­zige bekannte juris­ti­sche Nach­spiel für die Angrei­fer aus der rech­ten Hoo­li­gan­szene.


Am ers­ten Pro­zess­tag früh auf­ge­stan­den sind auch zwei Bre­mer Nazis, die mor­gens vor dem Gericht war­tende Prozesszuschauer*innen und Journalist*innen aus siche­rer Ent­fer­nung abfo­to­gra­fie­ren. Nach Ver­hand­lungs­be­ginn tref­fen sich die bei­den dann mit dem jah­re­lan­gen Bre­mer Anti-Antifa-Akti­vis­ten Andreas Hack­mann bei McDo­nalds an der Domsheide und bespre­chen das wei­tere Vor­ge­hen. Drei Tage spä­ter tau­chen die Fotos auf der (mitt­ler­weile still­ge­leg­ten) Nazi­seite AntiAntifa88.com auf (88 für „Heil Hit­ler“), inkl. eini­ger weni­ger Namen, z.B. dem eines Fan­be­treu­ers von Wer­der Bre­men.

Nazis beim Prozessauftakt an der Domsheide, von links nach rechts: Mirco Unger (Bremen), Andreas Ritzmann (Schwanewede) mit "Crumpler"-Fototasche, Andreas Hackmann (Bremen)

Nazis beim Pro­zess­auf­takt an der Domsheide, von links nach rechts: Mirco Unger (Bre­men), Andreas Ritz­mann (Schwa­ne­wede) mit „Crumpler“-Fototasche, Andreas Hack­mann (Bre­men)

Mirco Unger und Andreas Hackmann

Mirco Unger und Andreas Hack­mann

Bei den foto­gra­fie­ren­den Nazis han­delt es sich um keine gänz­lich Unbe­kann­ten, obwohl sich einige Betei­ligte sicher­lich beson­ders freuen wer­den, dass es mit der Anony­mi­tät nun vor­bei ist (kon­kret bedan­ken kön­nen sie sich dafür bei den­je­ni­gen Kame­ra­den, denen „Kame­rad­schaft“ mit stei­gen­dem Alko­hol­pe­gel immer weni­ger bedeu­tet).

Mirco Unger (Bremen)

Mirco Unger (Bre­men)

Andreas Ritzmann (Schwanewede)

Andreas Ritz­mann (Schwa­ne­wede)

Andreas Hackmann (Bremen)

Andreas Hack­mann (Bre­men)

Mirco Unger und Andreas Ritzmann mit Ordnerbinden beim GSD-Aufmarsch in Magdeburg (9. April 2016)

Mirco Unger und Andreas Ritz­mann mit Ord­ner­bin­den beim GSD-Auf­marsch in Mag­de­burg (9. April 2016)

Mit Aus­nahme von Andreas Hack­mann han­delt es sich bei den betei­lig­ten Per­so­nen um Nazis aus dem Spek­trum von „Gemein­sam-Stark Deutsch­land“ (GSD). Zusam­men mit einem noch Unbe­kann­ten (siehe unten) neh­men sie seit mitt­ler­weile gut einem Jahr nach­weis­lich an etli­chen Nazi-Akti­vi­tä­ten teil, in 2015 z.B. an „OLGIDA 2“ (30. März), am GSD-Auf­marsch in Erfurt (2. Mai), am „Tag der deut­schen Patrio­ten“ in Bremen/Weyhe (12. Sep­tem­ber) sowie einer GSD-Ver­teil­ak­tion in Bre­men (14. Novem­ber). Zuletzt waren Unger, Ritz­mann und Kon­sor­ten maß­geb­lich an der Orga­ni­sa­tion des GSD-Auf­mar­sches am 9. April in Mag­de­burg betei­ligt.

Ebenso spiel­ten regio­nale GSD­ler eine füh­rende Rolle bei der gewoll­ten Eska­la­tion der Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen rech­ten Hoo­li­gans und Wer­der-Ultras beim Nord­derby 2015. Einer von ihnen ver­suchte zudem bereits im August 2015 Teilnehmer*innen einer Valen­tin-Soli­da­ri­täts­de­mons­tra­tion in Bre­men abzu­fo­to­gra­fie­ren, wurde aber gleich zu Beginn in der Obern­straße erkannt und weg­ge­schickt.

(Noch) unbekannter GSD-Nazi: Wer ist es?

(Noch) unbe­kann­ter GSD-Nazi: Wer ist es?

Wo ist es?

Wo ist es?

Mit Kamera wartend auf die Valentin-Solidemo in der Obernstr. (August 2015)

Mit Kamera war­tend auf die Valen­tin-Soli­demo in der Obern­str. (August 2015)

Solidemo im August 2015: Gegen Nazis & Repression!

Soli­demo im August 2015: Gegen Nazis & Repres­sion!

Auch am Rande eines Soli-Kon­zer­tes von „Feine Sahne Fisch­fi­let“ im August 2015 schli­chen etli­che GSD-Nazis gemein­sam mit rech­ten Hoo­li­gans wie Hen­rik Osten­dorf, Felix Stolte, Sascha Feld­mann oder Tim Gun­der­mann auf der Suche nach Lin­ken in der Bahn­hofs­vor­stadt herum, ihr Abend endete damals im sich schlie­ßen­den „Bells“.

Bremer GSD-Nazis bei "OLGIDA 2" (März 2015)

Bre­mer GSD-Nazis bei „OLGIDA 2“ (März 2015)

Bremer GSD-Nazis beim Aufmarsch in Erfurt (Mai 2015), von links nach rechts: unbekannt, Alexander Greinke (Rücken zur Kamera), Andreas Ritzmann (hellblaues Hemd), Mirco Unger (blaues Hemd)

Bre­mer GSD-Nazis beim Auf­marsch in Erfurt (Mai 2015), von links nach rechts: unbe­kannt, Alex­an­der Greinke (Rücken zur Kamera), Andreas Ritz­mann (hell­blaues Hemd), Mirco Unger (blaues Hemd)

Ritzmann und unbekannter GSDler bei Verteilaktion am Bremer Hauptbahnhof (Nov. 2015, links Fritjof Balz)

Ritz­mann und unbe­kann­ter GSD­ler bei Ver­teil­ak­tion am Bre­mer Haupt­bahn­hof (Nov. 2015, links Frit­jof Balz)

Du hast Infos zu den abge­bil­de­ten Nazis und ihren Akti­vi­tä­ten, die wir wis­sen soll­ten? Sehr gerne, danke!