Bre­mer AfD-Mit­glied inmit­ten von GSD-Nazis

14. Novem­ber 2015, Bre­men. Am Nach­mit­tag ver­teilt der Bre­mer Able­ger von „Gemein­sam Stark Deutsch­land“ (GSD) an der Nord­seite des Haupt­bahn­hofs Klei­dung und Lebens­mit­tel an Bedürftige/Obdachlose. Etli­che Mit­glie­der der aus den HoGeSa-Struk­tu­ren her­vor­ge­gan­ge­nen Gruppe sind seit lan­ger Zeit durch Akti­vi­tä­ten im gesam­ten hie­si­gen Nazi­s­pek­trum bekannt.

Michael Hampe im Bahnhof

Michael Hampe im Bahn­hof

Mit von der extrem brau­nen Ver­tei­lungs­par­tie sind etwa 15 Per­so­nen, dar­un­ter z. B. Den­nis Mül­ler, Michael Füger und Mar­kus Neu­mann (Alt­nazi-Glatze und Mit­glied der „End­stufe-Crew“), Mar­cel Kuschela (sei­nes Zei­chens auch Ex-Schlag­zeu­ger der rech­ten Hoo­lig­an­band „Voll­Kon­taCt“) oder Michael Hampe, der auch als Secu­rity am — wie pas­send! — Bre­mer Haupt­bahn­hof arbei­tet.

Michael Hampe (rechts) mit anderen Bremer Nazis beim Aufmarsch am 28. März in Dortmund (links Andreas Hackmann)

Michael Hampe (rechts) mit ande­ren Bre­mer Nazis beim Auf­marsch am 28. März in Dort­mund (links Andreas Hack­mann)

Fritjof Balz (hier noch mit BIW-Hemd)

Frit­jof Balz (hier noch mit BIW-Hemd)

Auf­fäl­ligs­ter Teil­neh­mer der Aktion ist jedoch ein ande­rer: Frit­jof Balz. Balz trat 2015 zunächst als Grün­der und Schrei­hals der Bür­ger­initia­tive „Reku­mer Straße 12 — nicht mit uns“ in Erschei­nung, die gegen ein klei­nes Wohn­heim für straf­fäl­lig gewor­dene, unbe­glei­tete min­der­jäh­rige Flücht­linge in Bre­men-Farge Stim­mung machte.

Bei den Bre­mer Bür­ger­schafts­wah­len im Mai 2015 kan­di­dierte er dann auf Lis­ten­platz 3 für die „Bür­ger in Wut“ (BIW) — einen regio­na­len Hau­fen von Law-und-Order-Pöb­lern unter der Füh­rung des Ex-Poli­zis­ten Jan Timke, der bereits vor etli­chen Jah­ren im Bre­mer Able­ger der Par­tei von Koks­nase Schill aktiv war.

Balz saß zunächst ab Juli 2015 für die BIW im Bei­rat Blu­men­thal, trat aber eige­nen Anga­ben zufolge am 20. Novem­ber der „Alter­na­tive für Deutsch­land“ (AfD) bei. Seine nicht-vor­han­de­nen Berüh­rungs­ängste, mit bekann­ten regio­na­len Nazis poli­tisch öffent­lich aktiv zu wer­den, ste­hen dabei fast schon exem­pla­risch für den Rechts-Schwenk der AfD nach der Abspal­tung des „mode­ra­ten“ Flü­gels um Par­tei­grün­der Lucke unter dem neuen Label „ALFA“ (dem sich sei­ner­zeit auch die bei­den Bür­ger­schafts­ab­ge­ord­ne­ten Chris­tian Schä­fer und Piet Leid­rei­ter anschlos­sen).

Fritjof Balz (rechts mit heller Kapuze) inmitten von GSD-Nazis. In der Mitte Marcel Kuschela (dunkle Jacke) und Markus Neumann (helle Jacke)

Frit­jof Balz (rechts mit hel­ler Kapuze) inmit­ten von GSD-Nazis. In der Mitte Mar­cel Kuschela (dunkle Jacke) und Mar­kus Neu­mann (helle Jacke)

Balz (Mitte) vor Michael Füger (hinten mit Basecap) und Len­nert Stelt­ner (blaue Jacke)

Balz (Mitte) vor Michael Füger (hin­ten mit Base­cap) und Len­nert Stelt­ner (blaue Jacke)

Markus Neumann und Dennis Müller (Bildmitte)

Mar­kus Neu­mann und Den­nis Mül­ler (Bild­mitte)

Balz im Plausch mit Bremer GSD-Nazi, der schon am 30.04.2011 am NPD-Aufmarsch in der Bremer Neustadt teilnahm (Foto rechts)

Balz im Plausch mit Bre­mer GSD-Nazi, der schon am 30.04.2011 am NPD-Auf­marsch in der Bre­mer Neu­stadt teil­nahm (Foto rechts)

Alexander Tassis (AfD)

Alex­an­der Tas­sis (AfD)

Erst vor weni­gen Wochen fiel die regio­nale AfD durch eine ver­stärkte Tole­ranz gegen­über bekann­ten Nazis auf. Ganz vorne dabei ist immer auch der Bür­ger­schafts­ab­ge­ord­nete Alex­an­der Tas­sis, der mit ras­sis­ti­scher Hetze als geis­ti­ger Brand­stif­ter seit Wochen sei­nen Bei­trag zu einem gesell­schaft­li­chen Klima leis­tet, in dem Nazis sich ermu­tigt füh­len, Flücht­linge und ihre Unter­künfte zu atta­ckie­ren (weit über 1000 bekannt gewor­dene Fälle nur in 2015).

Inso­fern passt Frit­jof Balz durch sei­nen bis­he­ri­gen poli­ti­schen Wer­de­gang bes­tens in die neue Het­zer­cli­que der Bre­mer AfD. Auch auf Bun­des­ebene meh­ren sich erste Anzei­chen, dass sich die AfD anläss­lich eines mög­li­chen NPD-Ver­bots als neues Nazi-Auf­fang­be­cken zu posi­tio­nie­ren ver­sucht.

Inwie­weit es dabei zukünf­tig auch in Bre­men zu erneu­ten gemein­sa­men Aktio­nen mit ein­deu­ti­gen Nazis — z. B. aus dem Hoo­li­gan- oder Musik­spek­trum — kommt, bleibt abzu­war­ten.

Siehe auch: Tag der Patridio­ten