Halbstark für Deutschland in Dortmund

8. Oktober 2016, Dortmund. Vor dem Dortmunder Hauptbahnhof findet eine Kundgebung der Nazigruppierung „Gemeinsam Stark – Deutschland“ (GSD) statt, Anmelder ist der Bremer Marcel Kuschela. Die ursprünglich als Aufmarsch geplante Veranstaltung wurde von den Behörden verboten und kann am Ende nur als Kundgebung stattfinden.

Statt der angekündigten 1000 Personen erscheinen letztendlich nur etwa 350 selbsternannte Deutschland-Verteidiger und Nazis aus dem ganzen Bundesgebiet, darunter einige aus der Bremer Region. Von der Bremer GSD-Gruppe, die maßgeblich an der Organisation der Veranstaltung beteiligt ist, sind neben Kuschela beispielsweise Michael Hampe, Jens Jagemann und André Drewitz (siehe Infos unten) mit von der Partie. Auch Bremer Vertreter von „Die Rechte“ (Markus Privenau) sowie von „Nordic 12“ sind anwesend, aus Wilhelmshaven angereist sind Jens-Malte Hillers und der NPD-Kader Jens Wagenlöhner.

Insgesamt sind es jedoch deutlich weniger Teilnehmer_innen aus Bremer Gefilden als bei früheren GSD-Veranstaltungen. Offensichtlich finden bei GSD erste Zerfallsprozesse statt (organisatorischer Art). Für schlechte Laune sorgte neben internen Streitereien auch eine polizeiliche Hausdurchsuchung bei Marcel Kuschela, der im Anschluss an den Aufmarsch zum wiederholten Mal ankündigt, seinen Job als GSD-Maskottchen an den nächstbesten Nagel hängen zu wollen.

Marcel Kuschela

Marcel Kuschela

André Drewitz

André Drewitz

Marcel Wessels

Marcel Wessels

"Nordic 12"-Delegation: vorne rechts Andreas Lohei (ehem. Bremen, jetzt Köln), dahinter Marcel Wessels. Wer grinst links?

„Nordic 12“-Delegation: vorne rechts Andreas Lohei (ehem. Bremen, jetzt Köln), dahinter Marcel Wessels. Wer grinst links?

Bremer GSDler. In der Bildmitte unerkannt bleiben möchte Jens Jagemann (Bremen). Wer steht daneben?

Bremer GSDler. In der Bildmitte unerkannt bleiben möchte Jens Jagemann (Bremen). Wer steht daneben?

Teile der Bremer Reisegruppe. Rechts unter Stoff-Stahlhelm: Michael Hampe (Bremen)

Teile der Bremer Reisegruppe. Rechts unter Stoff-Stahlhelm: Michael Hampe (Bremen)

Siehe auch:
Fotos von Recherche Nord: Teil 1 / Teil 2
„Berserker“ jetzt auch in Bremerhaven (taz)


INFO: ANDRÉ DREWITZ

André Drewitz

André Drewitz

Screenshot aus TV-Dokumentation über "Torfsturm" 1995: links Michael Kurzeja, in der Mitte Drewitz

Screenshot aus TV-Dokumentation über „Torfsturm“ 1995: links Michael Kurzeja, in der Mitte Drewitz

André Drewitz ist ein typischer Vertreter der Spezies Fascho, die seit ein bis zwei Jahren zu Dutzenden wieder aus den Ecken gekrochen kommt und sich berufen fühlt, „Volk“ und „Heimat“ zu retten. Wie die meisten von ihnen hat auch Drewitz seit seiner Jugend eine lange Vergangenheit als Nazi bzw. Nazi-Sympathisant.

Sein politischer Weg begann Mitte der 90er-Jahre als Zögling von Markus Privenau in der Findorffer Kameradschaft „Torfsturm“, in deren Reihen er einige Jahre aktiv war. In der Folgezeit wurde es bis auf lose Kontakte zur rechten Szene dann eher ruhig um ihn, der als Losertyp geltende Drewitz tummelte sich vornehmlich in der Technoszene, inkl. dazugehörigem Rauschmittelkonsum.

Seit ungefähr zwei Jahren ist André Drewitz wieder aktiv, aktuell gehört er zum Kern des Bremer Ablegers von „Gemeinsam Stark – Deutschland“, in der eine Reihe von ähnlichen Biographien eine neue politische Heimat gefunden haben. In letzter Zeit fährt er mit seinen neuen alten Kameraden zu Nazikonzerten und beteiligt sich an der Durchführung von Aufmärschen (so z.B. im April 2016 in Magdeburg oder Oktober 2016 in Dortmund), sein neuestes Hobby ist hierbei das Fotografieren von Antifaschist_innen.

Drewitz mit Kamera auf Anti-Antifa-Mission (GSD-Aufmarsch in Magdeburg, April 2016)

Drewitz mit Kamera auf Anti-Antifa-Mission (GSD-Aufmarsch in Magdeburg, April 2016)