Rück­blick: Kom­mu­nal­wah­len in Nie­der­sach­sen 2011

Am 11.09.2011 fan­den in Nie­der­sach­sen Kom­mu­nal­wah­len statt. Von den rech­ten Par­teien betei­lig­ten sich die NPD, die REPs und einige omi­nöse Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen, wie z. B. im Land­kreis Lüne­burg die „Unab­hän­gige Wäh­ler­liste Land­kreis Lüne­burg / Bünd­nis Rechte“, in der NPD­ler und andere Nazis gemein­sam kan­di­dier­ten.

Die NPD trat aber nicht flä­chen­de­ckend zur Wahl an, son­dern nur dort, wo sie ansatz­weise Struk­tu­ren und Akti­vis­ten hat. Im Bre­mer Umland und im Nord­wes­ten Nie­der­sach­sens sind hier beson­ders die Regio­nen Ver­den, Roten­burg, Stade, Olden­burg, Osna­brück und Sol­tau-Fal­ling­bos­tel zu nen­nen. Durch die Kon­zen­tra­tion des Wahl­kamp­fes auf wenige Gebiete konnte die der­zeit nicht so starke NPD die Anzahl ihrer Man­date von ins­ge­samt 18 auf 21 erhö­hen. Wie bei vie­len ande­ren Kom­mu­nal­wah­len war auch in Nie­der­sach­sen die Wahl­be­tei­li­gung eher gering, was erfah­rungs­ge­mäß rech­ten Par­teien zugute kommt.

Auf­lis­tung der erreich­ten Man­date in Nie­der­sach­sen

Gesamt­ergeb­nisse der Wah­len in den Gemein­den, den kreis­freien Städ­ten und den Land­krei­sen von Nie­der­sach­sen:

Gemein­de­wah­len 2011 Kreis­wah­len 2011
Stim­men Pro­zent Sitze Stim­men Pro­zent Sitze
NPD 6091 0,1% 8 23655 0,2% 8
REP 433 0,0% 0

In fol­gen­den Krei­sen und Städ­ten haben NPD­ler bei den Kom­mu­nal­wah­len in Nie­der­sach­sen jeweils ein Man­dat erlangt:

  • Land­kreis Gos­lar:
    Patrick Kall­weit: 2 Man­date (Kreis­tag Gos­lar und Stadt­rat Vie­nen­burg)
  • Land­kreis Helm­stedt:
    Adolf Preuß: 3 Man­date (Kreis­tag Helm­stedt, Gemein­de­rat Süpp­lin­gen und Samt­ge­mein­de­rat Nord-Elm)
    Fried­rich Preuß: 2 Man­date (Stadt­rat Helm­stedt und Orts­rat Emmer­stedt)
  • Land­kreis Lüne­burg:
    Chris­tian Beri­sha: 1 Man­dat (Kreis­tag Lüne­burg für die Liste „UWL/Bündnis Rechte“)
  • Stadt Olden­burg:
    Ulrich Eigen­feld: 1 Man­dat (Stadt­rat Olden­burg)
  • Land­kreis Osterode/Harz:
    Michael Hahn: 2 Man­date (Kreis­tag Osterode und Stadt Bad Lau­ter­berg)
    Marco Bor­mann: 1 Man­dat (Stadt­rat Herz­berg)
  • Land­kreis Rotenburg/Wümme:
    Man­fred Dam­mann: 1 Man­dat (Kreis­tag Rotenburg/Wümme)
  • Land­kreis Sol­tau-Fal­ling­bos­tel (Hei­de­kreis):
    Mat­thias Beh­rens: 1 Man­dat (Kreis­tag Hei­de­kreis)
    Ste­fan Kling­beil: 1 Man­dat (Stadt­rat Muns­ter)
    Jes­sika Keding: 1 Man­dat (Stadt­rat Schne­ver­din­gen)
  • Land­kreis Stade:
    Adolf Dam­mann: 1 Man­dat (Kreis­tag Stade)
    Peter Brink­mann: 2 Man­date (Gemein­de­rat Ahler­stedt und Samt­ge­mein­de­rat Har­se­feld)
  • Land­kreis Ver­den:
    Rigolf Hen­nig: 2 Man­date (Kreis­tag Ver­den und Stadt­rat Ver­den)

Fotos der Nie­der­säch­si­schen NPD-Man­dats­trä­ge­rIn­nen

Patrick Kallweit

Patrick Kall­weit

Adolf Preuß

Adolf Preuß

Friedrich Preuß

Fried­rich Preuß

Christian Berisha

Chris­tian Beri­sha

Ulrich Eigenfeld

Ulrich Eigen­feld

Michael Hahn

Michael Hahn

Marco Bormann

Marco Bor­mann

Manfred Dammann

Man­fred Dam­mann

Matthias Behrens

Mat­thias Beh­rens

Stefan Klingbeil

Ste­fan Kling­beil

Jessika Keding

Jes­sika Keding

Adolf Dammann

Adolf Dam­mann

Peter Brinkmann

Peter Brink­mann

Rigolf Hennig

Rigolf Hen­nig

Genaue­rer Blick auf die Ver­de­ner NPD

Im Land­kreis Ver­den erreichte die NPD Wahl­er­geb­nisse zwi­schen 0,68% (Fle­cken Otters­berg) und 2,3% (Wahl­be­reich Verden/Dörverden). Dies reichte für Rigolf Hen­nig um seine Man­date zu ver­län­gern, ansons­ten ging die NPD leer aus.

Kan­di­diert haben fol­gende Nazis:

Name geb. Beschäf­ti­gung Anschrift
Fürs­ten­berg, Daniel 1980 Mau­rer Quer­str. 8, 27313 Dör­ver­den-Hül­sen
Hen­nig, Rigolf 1935 Fach­arzt i. R. Süd­str. 9, 27283 Ver­den
Moje, Wiebke 1988 Azubi Kauf­frau Ein­zel­han­del Nie­der­sach­sen­ring 100, 27283 Ver­den
Schultz, Mat­thias 1983 Gas- und Was­ser­in­stal­la­teur Wel­len­weg 3, 27283 Ver­den-Walle
Wal­ter, Mar­kus 1991 Ver­käu­fer Süd­str. 9, 27283 Ver­den
Daniel Fürstenberg

Daniel Fürs­ten­berg

Wiebke Moje

Wiebke Moje

Matthias Schultz

Mat­thias Schultz

Markus Walter

Mar­kus Wal­ter

Es ist also die ganze Ver­de­ner Pfei­fen­truppe zur Wahl ange­tre­ten. Aller­dings ist die Beruf­be­zeich­nung in der obi­gen Auf­lis­tung bei Herrn Schultz schon lange nicht mehr aktu­ell. Ste­hen müsste hier eher „Zuhäl­ter­ge­hilfe“, arbei­tet das Vor­stands­mit­glied des NPD-Unter­be­zirks Stade doch seit län­ge­rem für den Bre­mer Zuhäl­ter Ste­fan Ahr­lich als Lauf­bur­sche.

Ahrlichs Motorradhelm: Standarte-Emblem und Nazislogan

Ahr­lichs Motor­rad­helm: Stan­darte-Emblem und Nazislo­gan

Ahr­lich ist außer durch seine Rot­licht­ak­ti­vi­tä­ten seit lan­gem auch als Nazi und Mit­glied der Hoo­li­gan­gruppe „Stan­darte“ bekannt. Er geht auch gerne damit hau­sie­ren, eng mit dem Bre­mer Chap­ter der „Hells Angels“ zusam­men­zu­ar­bei­ten und unter des­sen Schutz zu ste­hen. Erst kürz­lich wurde gegen ihn ein Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet, da er vor dem „Hells Angels“-Clubhaus mit der Gruß­for­mel der Hit­ler­ju­gend posierte. Nach­dem Mat­thias „Pooh“ Schultz jah­re­lang als Fah­rer des NPD-Laut­spre­cher­wa­gens zu Auf­mär­schen fun­gierte, darf er nun auch am Steuer der Stretch­li­mo­si­nen aus Ahr­lichs Limou­si­nen­ser­vice sit­zen.

Wäh­rend NPD-Kan­di­dat Schultz aktu­ell damit beschäf­tigt ist, sog. „Modell­woh­nun­gen“ von Ahr­lich zu betreuen (z. B. in Bre­men-Kat­ten­turm oder der Neu­stadt), hetzt Daniel Fürs­ten­berg als „Bereichs­lei­ter“ der Ver­de­ner NPD pas­sen­der­weise seit Jah­ren gegen „aus­län­di­sche Ban­den“ die im „Rot­licht­ge­werbe“ aktiv sind und bedau­ert den Unter­gang von „deut­schen Fami­li­en­wer­ten“ und mora­li­scher Inte­gri­tät.

NPDler Schultz am Steuer von Ahrlichs Zuhälterkarre

NPD­ler Schultz am Steuer von Ahr­lichs Zuhäl­ter­karre

Das gleiche Auto nachdem Schultz den "Dienstwagen" übernommen und umgemeldet hatte

Das glei­che Auto nach­dem Schultz den „Dienst­wa­gen“ über­nom­men und umge­mel­det hatte

„Sau­ber­mann“ Fürs­ten­berg sel­ber bie­dert sich seit län­ge­rem dem Bre­mer Nazi­hoo­li­gan-Milieu an, so ist er unter ande­rem Mit­glied der Nazi-Hoo­li­gan­gruppe „Nord­sturm Brema“ (NSHB) und pflegt engste Kon­takte zum Bre­mer „Standarte“-Vortänzer Hen­rik „Ossi“ Osten­dorf. Beide ver­bin­det auch ein äußerst schlech­tes Ver­hält­nis zum Bre­mer NPD-Lan­des­ver­band: wäh­rend Fürs­ten­berg nach eini­gen tie­fe­ren Grif­fen in die Bre­mer Par­tei­kasse ins nie­der­sä­chi­sche Umland ver­schwand, wurde Ossi wegen erheb­li­cher Bei­trags­rück­stände aus dem Bre­mer Lan­des­ver­band aus­ge­schlos­sen. Beim kürz­lich statt­ge­fun­de­nen Pro­zess anläss­lich des Über­falls von Nazi­hoo­li­gans auf eine Party von anti­ras­sis­ti­schen Wer­der­fans im Bre­mer Ost­kur­ven­saal befand sich Fürs­ten­berg unter den Zuschau­ern und bedrohte andere Pro­zess­be­su­cher.

Auch der Senior der Ver­de­ner hat genü­gend Dreck am Ste­cken — und nicht bloß im Kopf: Rigolf Hen­nig prahlt unter ande­rem damit, bereits in den 50er Jah­ren ter­ro­ris­ti­sche Akti­vi­tä­ten in Süd-Tirol unter­stützt zu haben. Neben sei­nen NPD-Akti­vi­tä­ten ist er auch in den Krei­sen von Geschichts­re­vi­sio­nis­ten und Holo­caust-Leug­nern um Ursula Haver­beck und Horst Mah­ler aktiv. Im Jahr 2006 wurde er wegen „schwe­rer Ver­un­glimp­fung des Staa­tes“ zu 9 Mona­ten Knast ver­ur­teilt.

Im Gegen­satz zu Hen­nig war die Spreng­stoff­kar­riere des vier­ten NPD­lers im Bunde glück­li­cher­weise schon been­det, bevor sie ange­fan­gen hatte: Mar­kus Wal­ter stammt ursprüng­lich aus Gar­rel bei Olden­burg und zog zunächst nach Weil am Rhein. Hier war er spä­tes­tens ab 2008 eine Schlüs­sel­fi­gur der Süd­ba­de­ner Nazi­szene und sowohl bei den „Freien Kräfte Lör­rach“ als auch dem loka­len JN-Stütz­punkt aktiv. Diese Gruppe plante schwere Anschläge auf linke Ein­rich­tun­gen, 2009 wur­den bei einem Mit­glied hau­fen­weise Waf­fen, Che­mi­ka­lien und Uten­si­lien zum Bom­ben­bau gefun­den. Wal­ter ver­legte seine Akti­vi­tä­ten dar­auf­hin nach Olden­burg in Nie­der­sach­sen, wo er erneut durch Anti-Antifa-Akti­vi­tä­ten auf­fiel.

Soviel also zur NPD als Par­tei der „Sau­ber­män­ner“, die sich allzu gerne als deut­sche Moral­vor­tän­zer gegen „Sozi­al­hil­fe­be­trug“, „Dro­gen­kri­mi­na­li­tät“, „Men­schen­han­del“ usw. dar­stellt. Dass ihre „Spitzen„kandidaten auf genau sol­che Arten ihr Geld schwarz dazu ver­die­nen, passt zur aso­zial-natio­na­len Schi­zo­phre­nie der NPD-Nazis. Genauso wie sie einer­seits mit „bür­ger­freund­li­chem“ Auf­tre­ten ver­su­chen im Par­la­men­ta­ris­mus zu punk­ten, mit dem ande­ren Bein aber so tief in gewalt­tä­ti­gen und ter­ro­ris­ti­schen Akti­vi­tä­ten ste­cken, dass selbst der gewöhn­lich auf dem rech­ten Auge blinde Staats­ap­pa­rat lang­sam nicht mehr umhin kommt, ein Pro­blem mit Nazis zumin­dest zu erwäh­nen.

Natür­lich wird es wie die letz­ten Jahre schon aber zum größ­ten Teil von anti­fa­schis­ti­schen Gegen­ak­ti­vi­tä­ten abhän­gen, ob regio­nale Nazis ihren par­la­men­ta­ri­schen und sons­ti­gen Akti­vi­tä­ten unge­stört nach­ge­hen kön­nen. In Olden­burg for­mierte sich z. B. bereits deut­li­cher Wider­stand gegen den Ein­zug der NPD in den Olden­bur­ger Stadt­rat.

Fra­gen, Anmer­kun­gen, Infor­ma­tio­nen zu oben genann­ten Per­so­nen und Akti­vi­tä­ten? Immer gerne! Danke.

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